
Ich kniete nieder, als ich festen Boden unter den Füßen hatte, und dankte Gott, indem ich die Erde küsste«, schrieb Christoph Kolumbus am 12. Oktober 1492 in sein Bordbuch. Er hatte Amerika entdeckt und entfaltete das königliche Banner, um von der Insel Besitz zu ergreifen. Wie so viele Abenteurer und Eroberer nach ihm sollte Kolumbus ein reicher Mann werden.
Wer heute, rund 500 Jahre später, noch etwas entdecken will, muss schon an Orte wie Svarga reisen. Dort gibt es Seerosen, deren Blüten wohl mehr als einen halben Meter groß sind. Wenn ihre Knospen platzen, schleudern die Pollen in hohem Bogen in die Luft. Lichter Palmwald bedeckt die zentralen Ebenen, und die Berge sind von einer dichten Haut aus Moosen und Flechten überzogen.
Svarga liegt in einer virtuellen Computerwelt namens »Second Life«. Vor sechs Jahren wurde sie von der kalifornischen Firma Linden Lab erschaffen, und seit sich die Sache mit den blühenden Landschaften herumsprach, ist die Zahl der Siedler nach Angaben der Firma auf 2,3 Millionen emporgeschnellt. Wöchentlich melden sich rund 100.000 neue Mitglieder an. Amerikaner, Deutsche, Niederländer, Japaner fast alle Nationalitäten treffen sich dort. Was sie zu sehen bekommen, ist bemerkenswert detailgetreu. Blätter rascheln im Wind. Sonnenlicht spiegelt sich im Wasser. Schon schießen Städte aus Glas und Stahl in die Höhe. Und all das besteht aus Bits und Bytes.
www.zeit.de/2007/02/Second-Life